Ehemaliger Kunstfälscher erhält Job als Museumsführer???

Seine Fälschungen lösten einen der größten Skandale unserer Zeit aus. Am Ende wird Wolfgang Beltracchi mit einer milden Strafe belohnt.

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Wolfgang Beltracchi, der Ex-Hippie mit abgebrochenem Kunststudium, hat sich zu einem der größten Kunstfälscher-Skandale in Deutschland entfacht. Nun wird nie herauskommen, wie viele Werke der “Fälscher Prinz” mit langen grauen Haaren  wirklich vollzogen hat. Zusammen mit seiner Frau Helene und zwei Komplizen ergaunerte er fast zehn Millionen Euro. Große Spannung im Gericht vor dem Urteil. Im Schnelldurchlauf hat das Gericht den Prozess durchgezogen und den Angeklagten milde Strafen bis maximal sechs Jahren im Gegenzug für Geständnisse zugesagt.  Sechs Jahre bekam der Drahtzieher Beltracchi.

Kremer entließ ihn mit den Worten: “Lenken Sie Ihr Talent in legale Bahnen.” Beltracchi, der stolz auf seine künstlerische Fälschung war, drehte sich und zeigte seinen Daumen nach oben. Am Ende umarmte er seine Frau Helene und atmete tief durch.

Der Sohn eines Kirchenmaler aus Höxter wollte es noch besser machen als die Meister der Avantgarde der 20er Jahre. Er malte nicht etwa Werke von Max Ernst und Heinrich Campendonk nach, sondern er erfand neue.

Wie ein Roadmovie beginnt die Romanze des Wolfgang mit Helene in den 90er Jahren. In einem bunt bemalten RV zog das Paar mit seiner kleinen Tochter durch Südeuropa und dann nach Südfrankreich. Dann kam das große Geld. Ein Anwesen in Mèze und ein Vier-Millionen-Villa in Freiburg beherbergten sie. Manchmal lebte die Familie auf einer Bananenplantage in Guadeloupe.

Komplize Otto S.-K. Krefeld hatte von einem Restaurant in Alexandria bis hin zur Produktion russischer Diamantwerkzeuge wie Schleifscheibe blastrac ein bewegtes Leben, aber keine sehr lukrative Karriere. Er bekam 20 Prozent Provision für jedes verkaufte Bild.

Der Kunstmarkt gierte offensichtlich für neue Bilder aus der fiktiven Sammlungen des Jägers und Knops. Helenes Großvater Werner Jägers ksufte Avantgarde-Künstler in den 20er Jahren in der berühmten Galeristen Alfred Flechtheim und versteckte Bilder im Krieg in der Eifel, flatterte Helene Beltracchi vor der Galerie.

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Auch ein Foto, das Oma Hunter angeblich vor den Meister türzeigte hatten die Beltracchis auf einer alten Kamera aus den 30er Jahren . “Es hat wirklich Spaß gemacht”, sprach Wolfgang Beltracchi im Prozess.

Neben der “horrenden Gewinne”, die Galerien und Auktionshäuser mit den vermeintlichen Originalen erzielen konnten, sei der “Blick wohl etwas getrübt gewesen”, so Kremer. “Ernsthafte Kontrollen haben nicht stattgefunden.” Auf die Anhörung der fast 170 benannten Zeugen hatte das Gericht verzichtet. Die Praktiken des Kunstmarkts wurden nicht durchleuchtet. “Manchem Zeugen erspart das vielleicht einen peinlichen Auftritt”, sagte Kremer.

Sogar in Museen und bei reichen Sammelern hingen die Fälschungen ohne aufzufallen.

Wolfgang und Helene Beltracchi durften nach dem Urteil wieder in Freiheit Essen gehen. Unter strengen Auflagen bleiben sie wie auch Otto S.-K. bis zum Strafantritt auf freiem Fuß. Für sein neues Leben hat Beltracchi bereits ein Job-Angebot: Ein großes Museum in Köln würde ihn als Museumsführer einstellen.

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